September-Blog

Viel Sonne im September. Es ist so warm. Fast schon unwirklich warm für Mitte September. Ich bin unterwegs im Bochumer Ruhrpark. Und dort sitze ich nach dem Einkauf noch auf einer Bank in einer der mitunter nett arrangierten Sitzinseln. Ich könnte lesen. Aber ich lese nicht. Ich habe nichts zu lesen dabei. Ich schaue nur so in den Himmel. Eine Weile wohl und als ich damit aufhöre, also den Blick wieder in meine unmittelbare Umgebung richte, da sehe ich ihn nur wenige Schritte entfernt dort sitzen. Mir so halbschräg gegenüber. Der Malmsheimer. Kommt nicht oft vor in Bochum, dass man einen TV-bekannten Promi in der Öffentlichkeit halbschräg gegenüber herumsitzen sieht. Und so bin ich leicht irritiert. Denke zunächst daran, dass er womöglich gar nicht echt ist, oder schon echt, aber ein Doppelgänger, komme dann aber doch zu dem Schluss, dass vieles dafür spricht, dass er es wohl tatsächlich selbst ist, der Malmsheimer. Er wohnt schließlich in Bochum. Gleich denke ich auch an seinen ehemaligen Mitstreiter aus der Tresenlesen-Zeit, den Goosen, der ja nicht minder prominent geworden, mir allerdings weniger sympathisch ist. Nicht als Mensch, da kenne ich alle beide gar nicht, sondern als Künstler. Um ein Bild zu benutzen: Goosens literarisches Schaffen wirkt auf mich wie eine Blumenvase und zwar eine Blumenvase in der Grundfarbe weiß, auf der eine Sehenswürdigkeit der Stadt, etwa das Bergbaumuseum, abgebildet ist, aber eben  auch ein Ehepaar um die Fünfzig, auf jeden Fall ein gutbürgerliches Ehepaar um die Fünfzig den gutgelaunten Blick aufs Bergbaumuseum gerichtet. Der Mann trägt ein Hemd vorn mit einem Fußball und hinten mit einer Gitarre drauf und die Frau hat die Küchenschürze noch um. In der Blumenvase befindet sich ein Strauß Frühlingsblumen, Primeln oder meinetwegen auch Tulpen. Aber nur gelbe und weiße. Und wie ich die Vase so vor mir sehe, da denke ich wie ganz anders doch Schementhemen war, die Lesebühne von Myk Jung und mir. Bei uns gab es ausschließlich schwarze Blumen in der Vase. Und mit schwarzen Blumen (oder appen Füßen…) die aus einer Vase herausschauen, da wird man nur ganz, ganz, ganz selten ein TV-Promi. Und doch, so denke ich, es muss sie ja alle geben, die einen wie die anderen. Und Künstler ist schließlich Künstler, denke ich. Und warum sollte der Malmsheimer nicht auch von mir gehört haben? Er ist ja wie ich Bochumer, und ich habe bereits einige Male mit Bild in der Tageszeitung gestanden. Zwei Apothekerinnen haben mich schon darauf angesprochen und eine Verkäuferin. Derart eingestimmt, gebe ich mich zu erkennen, indem ich in seine Richtung nicke. Ich sage dabei kein Wort, nicke nur und schaue, so wie man nickt und schaut, wenn man behutsam und gleichsam eine Spur verschwörerisch andeuten möchte, jemand Gleichgesinnten zu kennen. Keinesfalls nicke und schaue ich so, dass der Malmsheimer fürchten muss, ich würde ihn bedrängen, sobald er zurück genickt hätte. Während ich also derart unverbindlich und doch zielgerichtet nicke, schaut der Malmsheimer in meine Richtung, allerdings reglos. Regungslos, ja vollkommen unbeteiligt, schaut er einfach durch mich und mein Nicken hindurch. Sogar ein bisschen grimmig schaut der Malmsheimer durch mich und mein Nicken hindurch, gerade so als würde er sich nun gar nichts aus schwarzen Blumen machen und keine Tageszeitung lesen, oder wenn doch, dann nur die Seite mit den Kochrezepten.     

 

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